Von Maden, Reiswein, Hühnerfüßen und Klopapier

Begrüße!

Vorgestern ging es vom Flughafen in Frankfurt los. Die erste Eindruck: Warum will denn außer Koreaner keiner nach Korea? Außer uns waren noch ca. 2 deutsche Familien am Flughafen, sonst ausschließlich Koreaner (soweit ich das beurteilen kann). Und europäische Küchengeräte scheinen heiße Ware zu sein. Jeder 5. hatte ein oder mehrere Kartons mit Kochtöpfen, Kaffeemaschinen oder ähnlichem dabei.

Nach einem langen Flug mit wenig leckerem Essen und „grünem Tee“, der sich als gewöhnungsbedürftiger Algentee entpuppt hat, aber dennoch vorbildlich geleert wurde, kamen wir um 1 Uhr in Seoul an. Von dort aus ging es mit dem Bus nach Daejeon. Die in Korea omnipräsenten Smartphones (egal ob 5 oder 70ig Jähriger – jeder hat eins!) waren dabei teilweise doch sehr nervig. Extrem kitschige Popmusik à la Mila Superstar oder Kickers Intro (aber schlimmer!) aus Smartphone Speakern. Oder erwachsene Männer, die sich ne halbe Stunde lang herzhaft über eine animierte Katze amüsieren, die mit verzerrter Stimme koreanisch spricht wie die schlimmsten Jamba Heimsuchungen.

Danach ging es mit Taxi weiter ins Studentenwohnheim. Dort wurden wir von ca. 10 sehr enthusiastischen und überaus freundlichen Tutoren/Buddys/wie-auch-immer empfangen und durch das schwitzige Wohnheim auf die glücklicherweise klimatisierten Zimmer geführt. Es ist nämlich dermaßen heiß und vor allem schwül hier, dass man so ein T-Shirt in 10 Minuten zu Fuß problemlos durchschwitzt. Die Zimmer sind vielleicht gute 12 m² groß und man haust darin zu zweit. Eingebettet ist mein Zimmer in ein Appartement mit insgesamt 8 Zimmern, für insgesamt also 16 Leute. Obwohl die Leute hier wirklich richtig nett sind und auch die Lage gut ist hoffe ich, dass wir nach der Summer School ne eigene Bleibe finden!

Nach einer Dusche, welche sich wegen der Hitze dann nach 10 Minuten wieder erübrigt hatte, ging es in die Stadt. Obwohl wir weit vom Stadtzentrum entfernt waren sah alles genauso aus, wie man sich eine asiatische Stadt vorstellt: viel Krimskrams über der Straße mit vielen Blinklichtern. Dort haben wir uns auf die Suche nach Essen gemacht. In vielen Restaurants sitzt man hier vor einem kleinem Tisch auf dem Boden. Dort muss man dann in der Regel auch die Schuhe ausziehen. Wir haben uns für ein gut besuchtes Restaurant mit Hockern und ohne Schuhverbot entschieden. Dort wurde in einem großen Topf direkt vor uns gekocht. Das Hauptgericht, Hühnchen mit Gemüse, Kartoffeln und sowas ähnlichem wie Reisgnocchi war sehr lecker, aber leider etwas zu scharf. Mit den Beilagen konnten wir leider etwas weniger anfangen. Eingelegte Algen (glaube ich), eingelegten Sojasprossen, ein Algentrunk/-suppe, Kimchi (eingelegter Weißkohl). Und irgendwas madenartiges. Letzteres war geschmacklich sehr eigenwillig und ich musste nach nur einer Maden kapitulieren.

Da der Ort hier anscheinend sehr wenig touristisch ist haben wir in dem Restaurant recht viel Aufmerksamkeit erregt. Nicht zuletzt weil man wohl gemerkt hat, dass das Essen nicht genau das ist, was wir gewohnt sind. Und weil wir uns mit diesen Stäbchen doch recht dämlich angestellt haben. Weil wir anders sind und nicht so recht reinpassen fand uns ein Mann im Restaurant super und hat uns ne Flasche Reiswein (sehr lecker, übrigens!) ausgegeben. Aus selbigem Grund kamen aus der Küche noch andere Leckereien für uns, wie gegrillte Ente mit Zwiebeln oder gegrillte Hühnerfüße, die wir probieren sollten. Vor letzterem musste ich wegen ihrer Konsistenz leider kapitulieren – die Made war noch nicht ganz verdaut.

Der Reiswein Mann hat sich dann noch gefragt ob er sich zu uns setzen darf. Durfte er natürlich. Und hat aus Dankbarkeit direkt noch Bier für uns bestellt. Dann saßen wir da noch eine Stunde und haben uns irgendwie unterhalten. Mit dem koreanischen Mann und einem Dolmetscher. Der Dolmetscher war aus Tajikistan und hat im Restaurant gearbeitet. Böse war uns also keiner, dass wir nicht aufgegessen haben. Am Ende hat der Koreaner, mit dem wir uns unterhalten haben dann unter unserem Protest auch noch unser Essen bezahlt – zusätzlich zum Bier und zum Reiswein.

Auf dem Heimweg wollten wir dann noch Waschmittel und Klopapier kaufen. Waschmittel haben wir für 3000 WON gefunden. Das Klopapier hatte keinen Preis aufgedruckt. Die 24 Rollen haben dann 23.000 WON gekostet. Das sind über 15 Euro! Horst Thiele wäre das nicht passiert! Irgendwas haben wir falsch gemacht.

Ich hoffe der Post klingt nicht zu negativ. Insgesamt fand ich den ersten Tag super. An einige Dinge muss man sich noch gewöhnen, andere werden nach der Summer School vorbei sein (das Zimmer).

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5 Antworten auf Von Maden, Reiswein, Hühnerfüßen und Klopapier

  1. Hondsen sagt:

    Hey Kasl!

    Freut mich dass Du gut im Osten gelandet bist. Das Essen sieht meiner Meinung nach total widerlich aus (bis auf die Maden…). hau rein!

    Werde bei gelegenheit immer mal wieder hier reinschaun und mal was reinschreiben. Grüße Honds

  2. Basti sagt:

    Hehe.. Das Hauptgericht hat aber wie gesagt recht gut geschmeckt. Auch wenn es mir zu scharf war. Die letzten beiden Tage gab es auch weniger außergewöhnliches Essen, welches auch westlichen Gaumen mundet.

  3. Victor sagt:

    Yay.. Sieht doch alles supi aus bisher! Hast du nun die Hühnerfüße probiert oder nicht? Und wieso ist Klopapier so teuer??? Freut mich, dass du gut angekommen bist! :-) hab noch schöne erste Tage…

  4. Stevie sagt:

    Sers Basti,
    klingt alles super spannend! Ich hoffe es kommen viele weitere nette Leute wie der (anscheinend sehr reiche) Koreaner aus dem Restaurant.
    Das Essen klingt äußerst gewöhnungbedürftig, kannst den Leuten ja mal ne Sau grillen, die freuen sich sicher! 😉

    Schön, dass du heil angekommen bist und ich freue mich auf weitere so unterhaltsame Posts.

  5. Basti sagt:

    @Victor: Ne, die Hühnerfüße habe ich sein lassen. Warum Klopapier so teuer ist kann ich dir auch nicht sagen.

    @Steve: Danke! Gratulation noch zum Marathon! Auch wenn die Tendenz ja leider in die falsche Richtung zeigt 😉

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