Templestay in Mihwangsa: Buddhist für einen Tag

Begrüße!

Der Freizeitpark am Freitag fiel für mich leider flach. Von der Heimatuni kam eine eMail, dass ich noch ein Paper fertig machen soll, da sich sonst niemand drum kümmern kann. Das hat dann länger gedauert als erwartet. Und am Samstag ging es um 6 Uhr morgens los zum Mihwangsa Tempel. Nach 2,5 Stunden Schlaf. Aber es hilft ja alles nix!

Nach ca. 5,5 Stunden Fahrt waren wir dann früher als erwartet in unserem buddhistischen Tempel. Dort waren wir dann zunächst erstmal ein wenig verunsichert, weil keiner so genau wusste, wie man sich zu verhalten hat. Man wollte ja niemanden vor den Kopf stoßen. Das hat sich dann aber als unnötig erwiesen. Da der Tempel für Touristen geöffnet war, war das alles aber nicht so strikt und wohl eher eine Light Version.

Im Tempel gab es direkt nach unserer Ankunft dann auch Mittagessen für uns. Vegetarisch. Als Buddhist soll man ja keinem Wesen Leid zufügen. Auch mal gut. Sonst gibt es nämlich immer zu viel Fleisch. Lecker war es auch noch. Z.b. gekochter Rettich, Kartoffeln in scharfer Sauce oder Gemüsecurry. Die Beilagen wie Kimchi wurden wie sonst auch meistens gemieden.

Zwischen Essen und Einweihung in die Klosteretiquette waren wir dann spazieren. War ne richtig feine Gegend. Danach haben wir uns Zimmer bekommen. Ohne Betten. Man schläft nämlich nur mit Decke auf dem Boden. Gewöhnungsbedürftig. Und wir haben erotische Tempelklamotten bekommen. Stand mir super!

Die Etiquette war dann sehr buddhistisch. Hauptsächlich haben wir gelernt, wie man sich verbeugt bzw hinkniet. Dafür geht man zuerst auf die Knie. Dann mit der Stirn auf den Boden und die Handflächen daneben. Dann die Hände hinter die Ohren anheben. Dann wieder aufstehen. Aufstehen und Hinsetzen jeweils ohne Hände. Dabei bin ich regelmäßig gestrauchelt.

Kurz nach der Etiquette gab es dann die erste Zeremonie. Dabei saßen zwei Mönche mit so einem ausgehölten und gehobelten Holzstück, das als Trommel diente, in der Mitte und haben gesungen. Bei jeder Strophe musste man sich hinknien und wieder aufstehen. Sehr anstrengend. Und irgendwie komisch, wenn es vollkommen inhaltlos ist und man kaum was über Buddhismus weiß, die Lieder nicht versteht (Koreanisch halt) und keine Ahnung hat, um was eigentlich gerade geht.

Am Abend gab es noch Tee mit dem Obermönch und den anderen Buddhismus Touristen (Buristen?) zu sehr flachen Unterhaltungen über Herkunft und co. Ich hätte ja gerne mehr über Buddhismus erfahren, aber das hat da irgendwie nicht reingepasst. Und ich hatte Angst, mich mit zu banalen Fragen zu blamieren.

Nach dem Tee ging es dann um 10 Uhr auch schon ins Bett. Am nächsten Morgen wurden wir nämlich schon um 4 Uhr von einem singenden und trommelnden Mönch geweckt, der seine Runden drehte. Um 4.20 gab es dann wieder eine Zeremonie mit Singsang und Verbeugungen. Eigentlich könnte man ja meinen, dass das ewige hoch und runter bei den Verbeugungen den Kreislauf in Schwung bringen würde. Aber beim anschließenden 20 minütigen Meditieren in der Dunkelheit war die Müdigkeit der größte Feind. Es war ja noch nichmal 5 Uhr am Morgen. Wegen der auf Dauer äußerst unangenehmen Sitzposition im Schneidersitz auf dem wenig weichen Sitzkissen hab ich es dann aber doch ohne Schlaf überstanden. Eine Erleuchtung war leider noch viel weiter entfernt als der Schlaf.

Allgemein war der erste Kontakt mit dem Buddhismus zum einen sehr interessant, zum anderen aber leider sehr sehr oberflächlich. Das was ich mitbekommen habe war irgendwie nur Christentum in grün, mit dem ganzen Singsang und Buddha Huldigungen. Dabei sind sowohl Zielsetzung als auch Grundsätze unterschiedlich. Aber für eine genauere Beschäftigung mit Buddhismus erscheint mir persönlich Religion allgemein irgendwie zu unwichtig und überflüssig.

Nach dem Frühstück ging es dann Wandern! Auf den Berg hinter dem Kloster. Mein persönliches Highlight! War ne kleine Wanderung in sehr schöner Landschaft mit unerwartet rauen Felsen. Wandern muss ich hier auf jeden Fall noch mehr! Hier ein paar Bilder:

Zum Schluß noch eine für mich sehr, sehr freudige Neuigkeit! Ich werde den Knast verlassen und in eine Einzimmerwohnung ziehen. Die ist sehr schick und komplett neu. Das freut mich unheimlich! Vor allem nach den endlosen Wirrungen mit der Universitätsunterkunft und zig Missverständnissen und letztendlich einer Reihe von Zufällen, über die alles dann doch geklappt hat.

Dieser Beitrag wurde unter Korea, Pai Chai Summer School (PAISS) veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten auf Templestay in Mihwangsa: Buddhist für einen Tag

  1. Victor sagt:

    Boh, richtig schön da… Herzlichen Glückwunsch zur neuen Bleibe :-)) GLG

  2. Dinos sagt:

    Habe den Eintrag sehr interessiert gelesen, wird sicher eine bleibende Erinnerung für Dich sein Besonders lustig fand ich einige Photos aus dem Tempel-sicher kannst Du Dir denken, welche mich so beeindruckt haben.( Wenns letzt auch nicht hierher gehört wegen der Knastauslöse ist alles klar, ich muss Dir dazu aber noch was sagen.)

  3. Dinos sagt:

    Vater war gerade kurz hier-ich habe ihm erklärt,wie er sich buddhistisch verbeugen soll und hab ihn gebeten es kurz zu versuchen -er hat doch ideale Hebel und schafft das sicher ohne Hände-hab ich gemeint. Du hättest ihn hören sollen ,wie der gefotzelt und geschimpft hat. wie er entrüstet über mein Ansinnen war. Noch im Wegfahren hat er gewebert und der blanke Zorn stand ihm ins Gesicht geschrieben und zu mir sagt er immer,ich sei humorlos!

  4. Max Großmann sagt:

    „Aber für eine genauere Beschäftigung mit Buddhismus erscheint mir persönlich Religion allgemein irgendwie zu unwichtig und überflüssig“ – Bin voll bei dir ………Ach ja und endlich gibts auch ne Juze-Zweigstelle in Asien 😉

  5. Dinos sagt:

    Hallo Basti!
    Frau Dino übertreibt mal wieder maßlos. Schön, dass es Dir gut geht. Das war´s auch schon für heut (wegen der vielen Kommentare). Dino 2.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.