Koreareiserei (Teil 1)

Begrüße!

Kurz nach meinem letzten Beitrag habe ich mich auf nach Seoul gemacht um Phil, den Hildesheimer Besuch, vom Flughafen abzuholen. Nadine ist mit mir die 3 Stunden zum Flughafen gefahren, da sie an dem Tag nach Deutschland flog. Wir haben dann eine gute Stunde gewartet. Und Phil kam nicht. Ob er denn tatsächlich im Flugzeug war konnte mir niemand sagen. Zum Glück ging er dann ans Handy. Der Dulli war noch nichtmal im Flieger. Er hatte mir nämlich das Abflugdatum und nicht das Ankunftsdatum gegeben, welches aufgrund der Zeitverschiebung und der langen Reisezeit unterschiedlich waren. Erschüttert ob dieser Nachlässigkeit begab ich mich alleine ins gebuchte Hostel und weinte innerlich. Dort fand ich zum Glück einen Singapurer (die nennt man laut wikipedia wirklich so!) mit dem ich mir den Hobbit im Kino angeschaut habe.

auszählung in korea

Animierter Auszählungen bei den koreanischen Wahlen

Am nächsten Tag ging es dann erneut zum Flughafen. Und Phil hat mich schon wieder enttäuscht. Er war krank und müde. Folglich begab er sich im Hostel direkt ins Bett und blieb dort für murmeltierige 20 Stunden (ca). Im Gemeinschaftsraum im Hostel gab es dann einen sehr gesprächigen Deutschen, der mir mit seinen lauten persönlichen Geschichten das ein oder andere Ohr abkaute. Ich kenne jetzt seinen Stromanbieter, die höhe seiner Strom-, Gas- und Wasserrechnung und weiß jetzt alles über die überdimensionierten Kläranlagen in Ostdeutschland. Und noch viel mehr hat er mir erzählt! Im Fernsehen lief zu der Zeit die Auszählung der Wahl in Korea. Die aktuellen Hochrechnungen für die jeweiligen Wahlbezirke wurden für die beiden Topkandidaten animiert als ein Wettlauf, ein Fechtkampf oder ähnlichem dargestellt. Wer im jeweiligen Wahlbezirk vorne lag wurde als Sieger dargestellt. Sehr eigenwillig! Am Ende gewann Geun-Hye Park, die Tochter des ehemaligen quasi Diktators in Südkorea zwischen 1961 und 1979, welcher dann bei einem Attentat umgebracht wurde.

Irgendwann war Phil dann doch wieder auferstanden und am nächsten Tag konnte man sich zusammen mit Phil die Stadt anschauen. Da ich kein großer Fremdenführer bin haben wir quasi die gleichen Sachen gesehen wie zuvor mit Sophie. Also ein paar Märkte, das Künstlerviertel Insadong und den großen Palast. Am Tag drauf haben wir uns dafür noch zusätzlich die DMZ (Demilitarisierte Zone) zwischen Nord und Südkorea angeschaut – ein ca 5km breiter, stark bewachter Streifen, der die beiden Staaten trennt und von niemanden ohne Genehmigung beider Staaten betreten werden darf. Das ganze war dann ein wenig zu sehr Touristenspektakel und sehr arg getönt durch die Südkorea Brille und wohl wenig objektiv. Man hat auch viel weniger Eindrücke über die Umstände der Trennung und Nordkorea an sich bekommen, als ich mir erhofft hatte. Aufgrund des schlechten Wetters konnten wir dann auch nicht zu einem Aussichtspunkt fahren, von welchem man ein Nordkoreanisches Propagandadorf sehen kann, welches errichtet wurde um dem Süden mehr Vorstand vorzugaukeln als tatsächlich vorhanden ist (soweit ich das aus Erzählungen beurteilen kann. Ich war ja nicht dort). Im Endeffekt waren wir in an einer zerstörten Brücke zwischen Nord und Südkorea, einem Tunnel, der von Nordkorea gegraben wurde um Spione in Südkorea abzusetzen, in einem Museum und an einem Bahnhof, von dem aus man theoretisch nach Nordkorea fahren könnte, was aber aktuell nicht möglich ist. Der Bahnhof wurde unter anderem von Spenden von Südkoreanern finanziert. Gut möglich, dass die Führung mit einer anderen Führerin um ein vielfaches interessanter geworden wäre. Da es offiziell verboten war Fotos zu machen und es außer ein paar Soldaten für die Busladungen an Touristen eh nichts zu sehen gab gibt es dazu hier auch kaum Bilder.

Zurück in Seoul sollte ein wenig gefeiert werden. Waren in einem Jazz Club. In einem Kiosk. In ein paar Bars. In einem Internetcafe, in dem wir nicht zocken konnten. Und auf einmal war es 7 Uhr. Um 5 vor 11 klopfte es an der Tür: „Checkout Time is in 5 Minutes“. Haben wir hinbekommen! Der Tag darauf war dementsprechend wenig produktiv.

Nach dem unproduktiven Tag war ich dann mit Phil in Daejeon unterwegs und habe ihm die wenigen, einigermaßen interessanten Orte gezeigt. Am Tag drauf waren wir im JJimjilbang! Das ist quasi ein Spa. Mit vielen heißen Becken, mit Saunen usw. Komplett in nackelig und vorbildlich nach Geschlechtern getrennt. Dazu gibt es noch einen großen Raum zum Ausruhen, wo auch viele Menschen schlafen. Dazu gibt es Restaurants, ein PC Zimmer, ein kleines Arcade, ein kleines Kino, usw.. Man kann dort also locker einen ganzen Tag verbringen. Teilweise dient es auch als kostengünstige Übernachtungsmöglichkeit, da die JJimjilbangs meist 24h lang aufhaben und ca. 5€ oder weniger kosten. Für mich war es das erste mal, da ich wegen der Geschlechtertrennung und meiner vorwiegend weiblichen Kontaktpersonen hier noch nicht dort war. Ist auf jeden Fall ganz fein!

Und nach dem Spa war quasi schon Weihnachten! Bei unter Minus 5 Grad und mit viel Schnee! Ich habe hier keinerlei Weihnachtsrummel wie bei uns zu Hause mitbekommen. Mag aber vielleicht auch daran liegen, dass ich keine koreanischen Medien konsumiere und keinen all zu engen Kontakt zu Koreanern habe. Mir kam es eher vor, wie Halloween bei uns zu Hause. Man kennt es zwar, in den Läden gibt es hier und da Abteilungen, aber nen ganz großes Thema ist es dann doch nicht. Wir haben uns mit Zadaf getroffen und es gab Linseneintopf mit deutscher Rauchwursteinlage!

Nach diesem Zwischenstopp in Daejeon ging es danach noch auf kleine Reise durch Korea. Nach Jeonju, Gongju, Taean und Boryeong, bevor wir zu Silvester nochmal zurück nach Daejeon sind. Dazu schreibe ich dann wohl über das Wochenende noch einen Eintrag.

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Eine Antwort auf Koreareiserei (Teil 1)

  1. Dino sagt:

    war vielleicht schon wieder die Erste!
    Ist wohl schon etwas komisch, an der Grenze zwischen Süd-und Nordkorea zu stehen, umringt von Soldaten. Habe Ähnliches als junges mädchen am eisernen Vorhang in Berlin erlebt, mir war beklommen und ich hatte Angst. Denn zu dieser Zeit gab es an der Mauer noch kein touristisches Spektakel. Das erlebte ich erst 2003 nach der Wende in Berlin an manchen Orten der ehemaligen Mauer.

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