Eine Woche Japan

Begrüße!

Heute bin ich nach einer Woche in Japan wieder nach Korea zurückgekehrt. Japan war zwar teilweise sehr ähnlich zu Korea, aber in vielerlei Hinsicht doch sehr anders. Mir kam es irgendwie organisierter und dann doch noch ein Stück weiter entwickelt vor als Korea. Und es gibt Linksverkehr, was ich erst nach 30 Minuten Herumlaufen in Tokyo herausgefunden habe.

Die erste Nacht habe ich in Tokyo verbracht. Den Nachmittag war ich in der Stadt unterwegs. Ich war von Shinjuku, dem Stadtteil, den ich gesehen habe, aber wenig beeindruckt, weil wohl wegen der Tageszeit kaum etwas los war. Am auffälligsten waren die teilweise sehr schrillen und irgendwie komplett unpassenden Klamotten, die die japanische Jugend unverständlicher Weise so trägt.

Nach der ersten Nacht bin ich dann weiter zum Mt. Fuji. Mein größtes Vorhaben des Trips war es eigentlich Mt. Fuji zu besteigen. Leider hat das Wetter nicht mitgespielt. An den beiden Tagen, an denen ich für die Besteigung Zeit gehabt hatte, regnete es und es gab Winde von bis zu 100 km/h. Da macht das keinen Spaß. Ich war also nur am Fuße des Mt. Fuji unterwegs und habe dort ein paar Aussichtspunkte abgeklappert und bin am Lake Kawaguchi herumspaziert. Da hat das Wetter wenigstens insofern mitgespielt, dass man ihn sehen konnte. Das ist im Sommer angeblich auch nur maximal jeden 2. Tag möglich.

Nach 3 mehr oder weniger erfolglosen Nächten am Mt. Fuji ging es dann wieder zurück nach Tokyo. Dort habe ich mich mit einem Freund vom Fußball, dem verplanten Paul (ja, der vom letzten Eintrag!), getroffen. Der hat erstmal nicht verstanden, dass der Flughafen ein gutes Stück außerhalb von Tokyo liegt. Und deshalb hat er schön 190€ für ein Taxi zum Hostel bezahlt. Welch Idiot! Nach ein wenig planlosem Herumlaufen in Tokyo ging Paul los zu einem Konzert von Van Halen. Da ich Van Halen nicht so grandios finde und das Konzert viel zu teuer war habe ich mir ein J-Rock Konzert angeschaut. Welch andere Welt es war!

Außer mir waren ungelogen 4 oder 5 Kerle da. Sonst nur Frauen zwischen 16 und 20 Jahren (insgesamt geschätzt 300-400 Leute). Dabei war die Musik teilweise sogar ein wenig härter, in den Umbaupausen lief Thrash Metal! Die Bands traten in Kostümen auf, die direkt aus einem Manga hätten sein können. Ich, als ignoranter Westler, konnte auch nicht bei jedem Musiker entscheiden, ob es Männlein oder Weiblein war. Es hatte alles einen gewissen Cosplay Charme. Im Publikum gab es auch die ein oder andere in ähnlichen Kostümchen. Das gesamte Publikum hatte dann eine sehr interessante Dynamik. Wenn der Sänger es befohlen hat bewegte sich der gesamte Raum gleichzeitig nach links und nach rechts oder schleuderte ein Tuch durch die Luft. Auch wenn der Sänger nichts gesagt hat wussten alle immer ganz genau, zu welchem Zeitpunkt gewinkt werden muss, ein Herzzeichen gemacht werden muss oder angefangen werden muss die Haare zu schütteln. Und das alles bei exakt gleichbleibendem Abstand zwischen den Zuschauern. Sehr imposant! Deutsche Effizienz und Pünktlichkeit erschien mir noch nie zuvor dermaßen überbewertet. Weniger gut hat das mit dem Crowdsurfen geklappt. Ein Bandmitglied hat es versucht, ist dabei aber direkt bis auf Kniehöhe durchgesunken, weil die kleinen Mädels ihn nicht halten konnten. Und wenn dem Publikum ein Lied besonders gefallen hat, dann gab es nach dem Lied eine Vielzahl an Rufen in unfassbar hohen Tonlagen, die in der Gesamtheit dem Geräusch glichen, den ein Entenschwarm macht, wenn man ihm ein Stück Brot zu wirft.

Leider durfte ich beim Konzert weder Fotos noch Videos machen, um all das Bizarre einzufangen. Aber um zumindest ein wenig einen Eindruck zu geben, hier ein paar Links zu Videos von den Bands, die aufgetreten sind: Black Gene For The Next Scene, Div., Royz. (Es waren insgesamt 7 Bands, aber ich glaube so richtig interessieren die hier keinen). So bizarr es auch war, die Musik war teilweise ganz gut! Auch wenn ich mit dem Gesang recht wenig anfangen konnte.

Nach dem Konzert habe ich mich wieder mit Paul getroffen. Zusammen mit ein paar Leuten, die wir im Hostel kennen gelernt haben, waren wir dann in einem Club in Tokyo feiern. Das war dann zwar ganz witzig, Musik bedingt sind Paul und ich dann aber irgendwann zu zweit weiter gezogen und in einer Bar gelandet. Ich glaube, weil sie ein Rolling Stones Poster an der Tür hängen hatte, bin mir aber nicht mehr sicher. Dort haben wir 2 Japaner kennengelernt, die uns gegen unseren Willen ein paar Bier bezahlt haben. Irgendwie habe ich es geschafft ein fast volles Bier umzustoßen, was mir auch unheimlich peinlich war. Was meinte der Barkeeper? Der kam, hat die Sauerei aufgewischt und mir ein komplettes neues Bier eingeschenkt! Für umsonst! Sehr nett, diese japanischen Barkeeper! In Deutschland wäre man wohl eher angemotzt worden, als dass man sein Bier aufgefüllt bekommt.

Den Tag drauf haben wir uns einen Stadtteil angeschaut, dessen Name mir schon wieder entfallen ist. Am Abend waren wir auf dem Dach des Hotels, von dem man einen sehr guten Blick über Tokyo bei Nacht hatte. Das war sehr hübsch! Wenn nicht dieser Paul neben mir gesessen hätte, dann hätte es sogar fast ein bisschen ramontisch werden können!

Den letzten Tag waren wir (die Menschen aus dem Hostel und ich, Paul war wieder in Korea) wieder in der Stadt unterwegs. Diesmal in einem Stadtteil, der vor allem für seine Spielhallen, den starken Manga und Anime Bezug und die Elektronik Läden bekannt ist. Die Gebäude waren alle voll mit irgendwelchen Manga Figuren, was ich so noch nie gesehen hatte. Die Spielhallen (sowohl Glücksspiele als auch Arcade Spiele wie Tekken oder auch alte Sachen wie Street Fighter II) waren unfassbar laut, stickig und verraucht. Ich habe keine Ahnung wie jemand freiwillig in so einem Ding seine Zeit verbringen und Geld ausgeben kann.

Zum Abschluss waren wir noch in einem Maid Cafe. Kleine japanische Mädels in komischen Kostümen (Dienstmädchen Kostüme mit knappen Röcken und vielen Schleifen und Pfui), die von Berufswegen übertrieben kitschig und niedlich sein müssen und sich über alles was passiert freuen müssen. Obwohl es stark so klingt: es war kein bisschen sexuell, sondern einfach nur komplett seltsam. Wie auf dem Konzert waren auch dort Fotos verboten.

Und jetzt bin ich wie gesagt wieder zurück in Korea. Heute in einer Woche bin ich dann schon im Flieger nach Deutschland. Nach ein paar Abschiedsfeiereien in Korea ist der nächste Stopp am 1. Juli dann also Hildesheim.

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