Kulturelle Missverständnisse im Praktikum

Begrüße!

Die Selbstvorstellung am Montag bei KISTI lief top. Ich bin in der Projektgruppe zu Semantic Web und Natural Language Processing gelandet – also da, wo ich hinwollte. Aktuell bin ich noch auf der Suche nach einem Thema, mit dem ich mich dann beschäftigen werden. Ich denke aber, dass ich mir das mit dem Semantic Web auf jeden Fall nochmal genauer anschauen werde! Vor allem diese Semantic Reasoner würde ich gerne genauer inspiziere! (Ab jetzt keine komischen Begriffe mehr. Versprochen.)

Von KISTI werden zwei ganze Tage am Institut gewünscht. Jetzt bin ich also Montag und Dienstag an der Uni und Mittwoch und Donnerstag bei KISTI. Dafür bekomme ich bei KISTI aber wohl noch ein Gehalt! Ha! Das ist super!

Diesen Mittwoch und Donnerstag war ich also schon dort. Neben dem üblichen Smalltalk wie „Wo kommst Du her?“, „Wo wohnst Du?“, usw. war die häufigste Frage: „Trinkst Du gerne? Kannst Du trinken?“. Das scheint ein großes Thema zu sein hier. Für meine Geschichte vom Soju-trinken mit dem Chef des Instituts, der wohl als am trinkfestesten im Institut gilt, habe ich von den restlichen Mitgliedern meiner Projektgruppe Bewunderung geerntet. Nur gut, dass ich am Freitag nicht da bin! Wer weiß, was die da nach Feierabend so treiben…

Zum Smalltalk nochmal! Direkt am Montag habe ich die ersten Mitarbeiter aus meiner Projektgruppe kennengelernt. Von denen wurde ich bei einer Tasse Kaffee ausgefragt. Am Ende wurde ich gefragt, ob ich noch Fragen hätte. Deutsch wie ich bin, habe ich Fragen zum Projekt gestellt. Dann meinten sie, das hätte Zeit und ich solle mir doch bis zum ersten Arbeitstag Fragen überlegen. Persönliche. Smalltalk ist also wohl genauso wichtig wie das Trinken! Wenigstens liegt mir eins davon. Ich erkundige mich jetzt halt immer brav nach ehemaliger Uni, Wohnort und Frau. Mehr fällt mir beim besten Willen nicht ein. Dabei gehts mir ja eigentlich eher wie dem Ron (Sarkasmus, und so).

In ein weiteres Fettnäpfchen bin ich dann während der Arbeit getreten. Meine Kollegen, die alle über 30 sind, haben sich alle mit dem Vornamen vorgestellt. Als ich dann einen davon nur mit dem Vornamen angesprochen habe bekam ich etwas später eine eMail, dass ich an den  Vornamen noch ein „Hyung“ anhängen soll oder den Nachnamen verwenden soll. „Hyung“ soviel wie „großer Bruder“ und ist eine respektvolle Anrede für ältere Bekannte. Ohne den Zusatz ist es wohl unhöflich. Derartige Anhängsel oder Höflichkeitsformen gibt es noch für Freunde, tatsächliche Brüder, Schwestern, etc. Sowohl für ältere als auch für jüngere. Gut, dass ich nen Ausländerbonus habe und mir das wohl niemand richtig übel nimmt, wenn ich das nicht hinbekomme.

Das schlimmste am Praktikum ist aber auf jeden Fall die Busfahrt dahin. Für die noch nicht mal 10km brauche ich über ne Stunde. In überfüllten Bussen mit Stop und Go im Stehen im Bus. Das Gleichgewicht zu halten ist gar nicht so einfach, da die Busfahrer sehr gerne stark beschleunigen und stark abbremsen. Vor allem auf meine Ellbogen muss ich aufpassen, wenn ich mich im Bus an der Stange an der Decke festhalte. Meine Ellbogen sind dann nämlich auf oder über Kopfhöhe für die meisten Koreaner. Und bei einem abrupten Manöver gibt man dann jemandem eine mit, obwohl man das eigentlich gar nicht will. Eine Koreanerin hat es schon erwischt. Auf der Schädeldecke. Beim Bremsen. Die hat dann schmerzerfüllte Geräusche von sich gegeben und ist wenige Sekunden später ausgestiegen. Ich hatte ein unheimlich schlechtes Gewissen und wollte mich entschuldigen, wusste aber nicht, wie das auf koreanisch geht. Dann habe ich nichts gesagt. Und sie hat mich einfach so allein gelassen, mit meinem schlechten Gewissen. (So schlimm war es eigentlich nicht. Högschdns a kloans dädscherle!)

Außerdem waren wir noch mit ein paar Koreanern aus dem „The Rise of the Korean Economy“ Kurs beim Essen. Die waren alle richtig nett und sprechen richtig gut Englisch, so dass man mit denen wohl noch viel Spaß haben kann!

Je geregelter der Tages- und Wochenablauf hier ist, desto unregelmäßiger werden wohl die Blogeinträge, da einfach nicht mehr so viel passiert. Ich werde dennoch versuchen 1-2 die Woche zu schreiben. Es stehen ja auf jeden Fall noch ein paar Wochenendausflüge in Korea an!

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Eine Antwort auf Kulturelle Missverständnisse im Praktikum

  1. Dino sagt:

    Basti, Du wirst den richtigen , höflichen Umgang mit den Koreanern schon lernen. Bist doch ein netter Kerl, aber leider etwas zu schwergewichtig.

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